Grundbegriffe des Klootschießens

Theoretische Betrachtung

Anleitung und Beispiel einer Ausbildungsphase für Kinder und Jugendliche

Das Klootschießen

Wie wir alle wissen, ist das Klootschießen vom Bewegungsablauf her eine schwer zu erlernende Sportdisziplin. Jedoch ist die oftmals vertretene Meinung "Klootschießen kann man nicht erlernen - das wird vererbt" nicht richtig. Richtig ist, dass es wie in jeder Sportart Ausnahmetalente gibt, die nicht zuletzt aufgrund ihres Trainingsfleißes, Bestleistungen erzielen. Wenn einem Anfänger (Schüler/-innen) die richtige Technik vermittelt wird, die Fehler korrigiert werden und er/sie fleißig und regelmäßig trainiert, kann meines Erachtens jeder diese Sportart erlernen und zufrieden stellende Leistungen erzielen.

Hier unterscheidet sich das Klootschießen nicht vom Boßeln. Dennoch wird das Boßeln, unter anderem aufgrund seiner leichter zu erlernenden Technik, von mehreren Sportlern betrieben. Auch die Einführung der Punktwettkämpfe und der damit gewachsenen Popularität sind hierfür Gründe.

 

Wie vermittelt man die Technik des Klootschießens ?  Grundvoraussetzung ist, dass man selbst die Technik beherrscht. Hier meine ich nicht, dass man selber ein guter Klootschießer sein muss, sondern man muss sich mit der Technik des Klootschießens auseinandergesetzt haben. Die Grobform der Technik muss bekannt sein und der Ausbilder muss diese verständlich vermitteln können. Hierbei ist es natürlich von Vorteil, wenn er selbst den Klootwurf beherrscht. Falsch wäre, wenn der Ausbilder die Übung vormacht und dann zum Nachmachen auffordern würde. Diese Methode ist selten von Erfolg gekrönt.

 

Der Klootwurf vom Sprungbrett  (Theoretische Betrachtung für Rechtshänder)  Der Werfer begibt sich in die Grundstellung, ca. 15-25m vom Sprungbrett (individuell verschieden) - Konzentrationsphase - Anlauf in Richtung Sprungbrett - beim sechsten Schritt vor dem Absprung wird der rechte Arm nach vorne geführt, bis er parallel zum Boden in Lauf-/Wurfrichtung zeigt - beim vorletzten Schritt wird er nach hinten, eng am Körper entlang, genommen - der letzte Schritt wird in der Schrittlänge verkürzt - ca. 2m vor dem Brett erfolgt der Absprung mit dem rechten Bein - Drehung des Armes von hinten nach vorne - der linke Arm wird gleichzeitig in Wurfrichtung als Block für die Rotationsbewegung des Körper geführt - der Werfer dreht mit Hilfe des linken Schwungbeines, das etwas angewinkelt wird, wobei er das Knie nach rechts vorne drückt, um den Körper um seine Längsachse (ca. 90Grad) zu drehen - zu dem Zeitpunkt, wo der Wurfarm in oberster Stellung ist, erfolgt die Landung auf dem Brett mit dem rechten Fuß - das rechte Bein wird, nachdem der linke Fuß auf dem Brett aufgesetzt hat, sofort wieder gestreckt - der Wurfarm befindet sich auf der Abwärtsbewegung in der 3Uhr-Position (Wurfarm in hinterer Stellung parallel zum Boden) - der linke Arm wird gleichzeitig zur Körperseite geführt - das linke Bein wird sofort gestreckt - der Wurfarm ist senkrecht vor dem Körper, wobei der Oberarm an dem rechten Brustmuskel abgestützt ist - der Unterarm beschleunigt - die Kugel verlässt die Hand - der Körper wird von dem beschleunigten rechten Arm wieder in Wurfrichtung gedreht und aufgrund der Beschleunigung des Körpers von dem Brett nach vorne/oben katapultiert. Es erfolgt die Landung auf der vor dem Brett liegenden Sprungmatte mit kurzem Auslauf. Diese theoretische Betrachtung gibt einen Überblick über den Ablauf eines Klootwurfes. Hierbei sind nicht alle Feinheiten einbezogen. Auch sind individuelle Abweichungen für jeden Einzelnen in der Endphase der Ausbildung möglich. Aufgrund der Komplexität des Klootwurfes und des Alters der Anfänger ist jedem klar, dass dieser Klootwurf nicht als Ganzes (Ganzheitsmethode) vermittelt werden sollte/kann. Vielmehr muss der Ablauf in Abschnitte aufgeteilt und dann zu einem Gesamtablauf zusammengefügt werden. Dieses darf jedoch nicht zu früh beginnen, da die Fehlerquelle ansonsten viel zu groß ist.

Der Ablauf des Klootwurfes erfolgt aufgrund von wiederholten Übungen im Unterbewusstsein. Er wird automatisiert durchgeführt. Sollte sich bei einem Werfer ein fehlerhafter Wurf eingeprägt haben, ist dieser Fehler, der entweder zu Lasten der Wurfweite oder schlimmer noch, zu Lasten der Gesundheit geht, nur sehr schwer abzustellen. Muss ein automatisierter Fehler abgestellt werden, erfordert dieses ein hohes Maß an Konzentration vom Werfer. Hierdurch ist er nicht "frei im Kopf" und kann die vorher erzielte Weite nicht sofort erreichen. Somit sträuben sich viele jugendliche Werfer, einen Fehler abzustellen, mit der Folge, dass die mögliche Leistungssteigerung ausbleibt und die Trainingsmotivation abnimmt.

Daher ist jeder Fehler sofort zu korrigieren und durch wiederholte Übung des richtigen Wurfes auszuschließen.

Wie vorher erfahren, ist die Ganzheitsmethode nicht zu empfehlen. Somit muss eine praktikable Aufteilung in Übungsabschnitt erfolgen.

 

Ein Beispiel, wie man Kinder an das Klootschießen heranführen kann

Vermitteln der Armbewegung   Das ungewohnte Werfen mittels einer Drehung des Armes soll erlernt werden. Hierzu eignet sich ein Schleuderball hervorragend. Er zwingt den Lernenden mit gestrecktem Arm eine Kreisbewegung zu beschreiben. Der Lernende erkennt hierbei auch, dass er den Ball nur vor dem Körper entlang in einer sauberen Kreisbewegung führen kann. Aufgrund des Körperbaus ist ein Drehen des Balles an der Körperseite nicht möglich.

Der Schüler stellt sich in leichter Seitgrätschstellung auf. Er nimmt den Schleuderball und beginnt mit immer schneller werdenden Kreisbewegungen dicht vor dem Körper entlang. Nach ca. 10 Umdrehungen wird angehalten und die Übung beginnt erneut. Dieses wird mehrere Male wiederholt mit dem Versuch, den Ball möglichst schnell die maximale Drehzahl zu verleihen.

Fehler:  - eingeknickter Arm - gebeugter Körper - Mitschwingen/Rotation des Körpers.

Als nächstes stellen sich zwei Übende in einem Abstand von mehreren Metern gegenüber und versuchen, jetzt dem Gegenüber den Ball zielgenau und mit möglichst großer Weiter zuzuwerfen (möglichst gleichstarke Gegner).

 

Die Klootkugel kennenlernen und die Griffhaltung  Den Kloot vorstellen (Gewicht, Aufbau usw.). Die richtige Griffhaltung des Kloots erklären.

Griffhaltung: Der Kloot liegt auf Zeige- und Mittelfinger, die sich fast berühren. Der Daumen liegt gegenüber auf dem Kloot. Die Griffhaltung des Kloot muss immer wieder überprüft werden.

 

Der Standwurf  Die Übenden nehmen eine leichte Seitgrätschstellung (schulterweit auseinander) ein. Der Nichtwurfarm zeigt in Wurfrichtung, der Wurfarm befindet sich in senkrechter Stellung (noch oben zeigend) und wird mit einer schnellen Bewegung dicht vor dem Körper entlang in Wurfrichtung geführt, wobei der Oberarm den Brustkorb berührt, sich abstützt und der Kloot hierbei in Wurfrichtung die Hand verlässt.

Hierbei ist wieder auf die richtige Ausführung zu achten. Der Arm und der Körper muss gestreckt bleiben. Der Körper darf nicht einknicken.

Diese Übung ist mehrmals zu wiederholen.

Eine Steigerung dieser Übung kann erfolgen, wenn die Übenden sicher ein bestimmte (individuell verschiedene) Weite ohne Fehler und im richtigen Winkel (ca. 45Grad) erreichen.

 

Standwurf mit Drehung in Abwurfrichtung  Wird die vorherige Übung "Standwurf" fehlerfrei ausgeführt, kann die Übung "Standwurf" um die Körperdrehung in Abwurfstellung erweitert werden.

Hierbei stellt sich der Werfer mit der Front zur Wurfrichtung, das rechte Bein etwas vorgestellt, den Wurfarm hinten. Nun dreht er sich in die Abwurfstellung hinein, indem er das linke Bein nach vorne nimmt, den Körper um ca. 90Grad dreht und hierbei eineinviertel Drehung mit dem Wurfarm ausführt, wobei der Nichtwurfarm in Wurfrichtung genommen wird und zum Zeitpunkt, wo der Wurfarm die hinterste Stellung erreicht hat, schnell zum Körper herangeführt wird, bis er gestreckt an der linken Seite des Körpers anliegt.

Der Werfer sollte damit bereits eine beträchtliche Weite erreichen. Auf jeden Fall wirft er weiter als mit dem halben Schlag aus dem Stand ("Standwurf").

Fehler: - gebeugter Arm - keine Kreisbewegung des Armes - nicht gestreckter Körper - eingeknickter Körper - falsche Fußstellung - Körperdrehung zu weit oder zu wenig - linke Schulter bleibt nicht in Wurfrichtung - rechte Schulter wird mit in Wurfrichtung geführt - keine Beschleunigung des Wurfarmes im letzten Drittel der Bewegung - Nichtwurfarm zeigt nicht in Wurfrichtung - Kopf nach hinten, vorne oder zur Seite gebeugt.

 

Der eingesprungene Wurf  Nachdem die vorgenannte Übung fehlerfrei ausgeführt wird, erfolgt die gleiche Bewegung wir vorher, jedoch mit einem Absprung des rechtes Fußes, in die Wurfstellung drehen, Landung auf dem rechten Fuß, umsetzten auf den linken Fuß und abwerfen.

Wenn diese Grundübung automatisiert ist und ein noch größere Weite erzielt wurde als aus dem Stand, kann diese Bewegung aus dem Anlauf heraus ausgeführt werden. Es hat jedoch keinen Sinn, zu früh mit dem Anlauf zu beginnen, denn die Umsetzung der erlernten Technik aus dem Anlauf heraus bedeutet, dass es zu fehlerhaften Ausführungen kommen kann, die unbedingt vermieden werden müssen.

 

Der Anlauf  Der Übende beginnt mit einem lockeren Steigerungslauf. Bei für ihn optimaler Geschwindigkeit, die er auch auf dem Brett während des Stemmschrittes umsetzen kann, führt er ca. 6 Schritte vor dem Absprung den rechten Arm parallel zum Boden nach vorne, zwei Schritte vor dem Absprung führt der den Wurfarm nach hinten, bis der Wurfarm parallel zum Boden nach hinten zeigt, setzt den rechten Fuß zum Absprung auf und führt den Wurfarm wieder nach vorne, springt mit dem rechten Fuß ab, dreht den Körper in Abwurfhaltung, wobei der den Arm dreht, landet auf dem rechten Fuß und einen kurzen Moment später auf dem linken Fuß. In diesem Augenblick, der rechte Fuß hebt gerade wieder ab, wird die ganze Energie des Anlaufes vom linken Stemmbein abgefangen und in die Kugel umgesetzt, verlässt die (gedachte) Kugel in Hand in Wurfrichtung. Diese Übungen werden ohne Sprungbrett ausgeführt. Ist ein rhythmischer Bewegungsablauf zu erkennen, wird diese Übung mit Kugel ausgeführt. Hierbei ist wieder so lange zu üben, bis die vorher erzielte Weite erreicht wird. Dieses kann mehrere Übungseinheiten dauern. Alle oben genannten Fehler dürfen nicht auftreten. Zusätzlich ist auf einen flüssigen Bewegungsablauf zu achten. Er muss fließend, zielgerichtet und kraftvoll, jedoch nicht verkrampft, ausgeführt werden.

 

Einsatz des Sprungbrettes  Sind die oben angegebenen Vorgaben erfüllt, kann das Sprungbrett eingesetzt werden. Der Anlauf sollte ca. 15-25 m betragen. Die Bretteinstellung sollte so hoch als möglich sein. Das heißt, der Werfer muss noch in der Lage sein, die auf das linke Bein wirkenden Kräfte durch Muskelkraft aufzufangen. Bei zu hoch eingestelltem Brett sinkt der Werfer in das Brett hinein und kann sich nicht wie erforderlich abstemmen und von dem Brett aushebeln. Die Faustregel bei einem gut trainierten Werfer besagt, dass das Brett die Unterseite der Kniescheibe erreichen sollte.

 

Zur Beachtung  Hierbei ist jedoch zu beachten, dass die Jugendlichen sich noch im Wachstum befinden. Ungeübte und noch nicht ausgewachsene Körper dürfen nicht überlastet werden um Beschädigungen z.B. an der Wirbelsäule (Bandscheiben) und dem übrigen passivem Bewegungsapparat (Wachstumsfugen) auszuschließen. Das Training mit dem optimal höheneingestellten Brett sollte aufgrund der großen Kräfte, die während des Stemmschrittes auf dem Brett auftreten, dosiert durchgeführt werden. Dieses ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass ein effektives Kloottraining mehrmals in der Woche ausgeführt werden muss, um eine Leistungssteigerung zu erzielen. Viele Übungen können auch ohne Brett oder mit einem flacher eingestellten Brett durchgeführt werden.

 

Schlussbemerkung

Wie oben schon angeführt hat fast jeder Werfer seine eigene abweichende Ausführung. Jedoch sollten die oben erwähnten Vorgaben genauestens beachtet werden. Eine optimale Weite kann nur dann erreicht werden, wenn die grundsätzlichen Voraussetzungen gegeben sind. Die Abweichungen erfolgen dann, wenn ein Werfer später, wenn er fertig ausgebildet ist, erkennt, dass er mit einer für ihn speziellen Abweichung von der Norm einige Zentimeter weiter wirft. Dieses sollte aber nicht dazu führen, dass man eindeutige Fehler akzeptiert und durchgehen lässt.

Hans-Wilhelm Klostermann, Schortens

 

Ausgearbeitet für die Arbeitsgruppe "Förderung des Klootschießens" im Klootschießerlandesverband Oldenburg e.V.

 

© 2010  Gerold Meischen

friesensport.de-Redaktion