|
©
/
Quelle: Jeversches Wochenblatt
/ 22.10.2009

„Boßeln
steckt in einer Sackgasse“
Portrait:
Heiner Janßen, Vorsitzender des Boßel-Kreisverbandes Jeverland zur
Entwicklung seines Sports
Cleverns
– Für Heiner Janßen ist Vorstandsarbeit Teamwork, die auf mehrere
Schultern verteilt werden muss. Der 44-Jährige gehört neben Heiko
Manning aus Hohenkirchen und dem Sandelermönser Heiko Dirks zum
dreiköpfigen Vorstand des Boßelkreises Jeverland. Daneben ist er 1.
Vorsitzender seines Heimatvereines "Kumm herut" aus Cleverns. Um all das
unter einen Hut zu bekommen, hält er tragfähige Kommunikationswege
zwischen den Vorstandsmitgliedern und auch zwischen dem Vorstand und den
einzelnen Vereinen des Boßelkreises für unabdingbar. "Wir bereiten
derzeit eine Internetpräsentation vor, um da ein Stück voran zu kommen",
blickt der aktive Friesensportler in die nahe Zukunft. Dem Boßeln fühlt
er sich von Kindesbeinen an verpflichtet, war als Jugendlicher zweimal
Landesmeister und später FKV-Meister und Vizemeister. Seit seinem 15.
Lebensjahr wirft er in der Männer I von "Kumm herut". Es war ein
Ferienaufenthalt bei Onkel Karl Janßen in Rispel, der den damaligen
Schüler für den Boßelsport begeisterte – und Abkehr vom Fußball nehmen
ließ. Sein Vetter Helfried nahm ihn mit zum Landesliga-Wettkampf
zwischen Pfalzdorf und Rispel – und dort sah er den damaligen
Spitzenboßler Harm Henkel werfen. Das beeindruckte: "Ich wollte
mitwerfen, und zwar in der höchsten Spielklasse, und bei den
Einzelmeisterschaften so erfolgreich wie möglich sein", erinnert sich
der Unternehmer. Er trainierte viel, erste Erfolge kamen schnell.
Kurzum, die Ziel wurden erreicht. Aber neben dem Dasein als Aktiver
wollte er auch Verantwortung übernehmen für die Belange des
Traditionssportes. "Ich beobachte schon seit langer Zeit die Entwicklung
im Boßelsport", sagt er. Boßeln sei heute ein vollwertiger Sport, lange
kein Spiel zwischen Erwachsenen mehr. Zudem interessant und durch immer
andere Anforderungen auf immer neuen Wurfstrecken auch sehr vielseitig.
Der Friesensport biete zudem mit Klootschießen und Schleuderball weitere
Aktivitäten, sei insgesamt urwüchsig, traditionell verwurzelt und
ermögliche eine enge Bindung an den Wohnort und seine Einwohner. Auf der
einen Seite werden so große Leidenschaft eingebracht, wie in kaum einem
anderen Sport, auf der anderen Seite aber gebe es auch einige Boßler,
die ihren Sport nicht so ernst nehmen würden, wie es angebracht wäre.
"Boßeln ist ein einzigartiger Sport, das ist vielen heute gar nicht
bewusst", erklärt Janßen. Aber gerade diese Veränderung des Boßelns zu
einem vollwertigen Sport stelle, so Janßen weiter, an Vereine und
Verbände auch hohe Anforderungen. Zum Beispiel in der Ausbildung der
Jugendlichen, die in vielen Fällen nicht professionell genug stattfinde.
"Früher war es einfacher, Jugendliche für den Boßelsport zu begeistern.
Heute müssen wir um die Jugendlichen kämpfen, um sie im Verein zu
halten. Wir müssen ihnen etwas bieten, andere Anreize schaffen, sie mehr
mit in die Verantwortung nehmen. Jugendliche heute sind anders, als
Jugendliche vor zehn, fünfzehn Jahren", erläutert er. Dies aber
erfordere eine ausreichende Anzahl an Mitstreitern, die es in dem
kleinen Boßelkreis Jeverland und seinen Vereinen immer weniger gebe.
"Die Freiwilligkeit geht verloren, wir müssen auch hier nach neuen
Lösungsmöglichkeiten suchen ", meint Janßen. Für ihn steckt Boßeln heute
in einer sportlichen Sackgasse, befindet sich zudem in einem
Schrumpfungsprozess. "Die Ligenstruktur und die Struktur der
Mannschaftsstärken sind weiter reformbedürftig, wir haben keinen
Jugendspielbetrieb auf Landesebene und es gibt noch eine zu strikte
Trennung der Landesverbände Oldenburg und Ostfriesland", so seine
Argumente. Eine seiner Lösungen: Bestehende Mauern aufbrechen zum
Beispiel durch einen gemeinsamen oldenburgisch/ostfriesischen
Punktspielbetrieb. "Die Jugend könnte da den Anfang machen", fordert der
44-Jährige genau so, wie die Bildung von Spielgemeinschaften bei
gleichzeitiger Möglichkeit im Heimatverein Mitglied zu bleiben und eine
größere Flexibilität in der Wahl der Wettkampfzeiten. In Sachen
Förderung der Jugendarbeit denkt er derzeit noch an eine zweite Idee:
Die Vereine animieren, Jugendarbeit selbst in Angriff zu nehmen oder
sich finanziell an einem Jugendförderungspool zu beteiligen. "Aus diesem
Pool heraus könnte dann eine konzentrierte Jugendarbeit stattfinden",
sagt Heiner Janßen. Und er sagt auch: "Nur gemeinsam sind wir stark".
|