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© / Quelle: friesensport.de-Redaktion / 10.05.2008

13. Europameisterschaft

Die Gastgeber-Sicht

EM-Artikel des Bol Chumann

frei übersetzt von Gerold Meischen

Straßenkampf – Bandon Road: Bol Chumann’s Senior-Männer und –Frauen traten bei herrlichen Bedingungen in Bandon an, um am letzten Tag der 13. Europameisterschaften die Spitzenposition im europäischen Straßenboßeln zurückzuerobern. Mit David Murphy und Kelly Mallon stellt der irische Verband nach einer Pause von 20 bzw. 24 Jahren wieder die Europameister – der wunderbare Höhepunkt eines Drei-Tage-Spektakels von Menschenmassen in Cork City, Rathcool und West Cork. Der Druck lastete auch den Männer-Kader, die Gelegenheit zur Wiedergutmachung zu nutzen. Das Resultat hätte besser nicht sein können. Einer nach dem anderen schlugen sie ihre deutschen, niederländischen und italienischen Gegner in der jeweiligen Begegnung und belegten am Ende die ersten neun Plätze der Ergebnisliste.

David Murphy hatte oft schon Mühe in den frühen Morgenstunden in Trainings- und Wettkampfsituationen. Seine ersten drei Würfe deuteten erneut an, dass er seinen Erfolgsweg nicht finden würde. Der vierte Wurf mit gut 250 Meter durch die erste Kurve aber brachte ihn auf den Erfolgsweg zum Gold. Dank seiner Kraft und einer nun präziseren Wurfgenauigkeit feuerte er fünf weitere exzellente Würfe ab. Insbesondere sein achter Wurf war brillant und ließ ihn die 1.600er-Marke passieren. Mit dem neunten Wurf übertraf er den bis dahin Führenden, Tim Pat O’Donovan. Sein finaler zehnter Wurf landete bei 2.010 Meter – eine Weite, die alle weiteren Angriffe des Tages überstehen sollte.

Obwohl es hätte Gold sein können. war der Gewinn der Silbermedaille durch Mick Young eine der großen Geschichten des Wochenendes. Der Bantry-Veteran lieferte wieder einmal einen Beweis ab, dass höheres Alter nicht unbedingt ein Hindernis für Erfolge im Straßenboßeln sein muss. Als Mitglied der geschlagenen Heimmannschaft 1992, und noch unglaublicher, schon als Mitglied des 1977er EM-Teams der Iren, brannte Mick Young nochmals ein Feuerwerk ab, um unter die besten Sieben zu gelangen. Der achte Wurf war nicht optimal, hielt aber noch in Reichweite der Murphy-Bestmarke. Am Ende fehlten ihm gut 35 Meter zu Sieg. Der liebenswerte Bantry-Man nahm es trotz der großen Chance auf Gold dennoch liebenswert gelassen und freute sich über seine Silbermedaille. Eine starke Leistung lieferte Michael Toal ab. Trotz weniger Trainingsmöglichkeiten für den Mann aus dem Norden (Armagh) ging er die schwierige Straße mit einem starken und konzentrierten Auftritt an. Nach vier Wurf lag er auf Murphy-Niveau auf Medaillenkurs. Der neunte Wurf sollte ihm dann aber den Kampf um die Goldmedaille beenden. Seine Tagesmarke von 1.969 Meter sollte im am Ende Bronze bescheren. Patrick O'Driscoll, Aidan Murphy, Eddie Carr, Tim Pat O'Donovan, Bill Daly und Philip O'Donovan nahmen die nächsten sechs Plätze ein, bevor mit Bastiaan Zwiers (NKB Holland) als Zehnter der erster Werfer vom Kontinent in der Ergebnisliste verzeichnet ist. Einen Zweifel am Teamsieg des irischen Bol Chumann gab es zu keiner Zeit. Mark McManus als Team-Trainer sowie Christy Mullins und Bill Daly als Team-Manager führten die irische Auswahl zum großen Sieg. Die Iren feierten einen wunderbaren Erfolg und stellten mit diesem grandiosen Sieg das verlorene Prestige nach der Europameisterschaft 2004 in Westerstede wieder her, als der damals gastgebende FKV die ersten sieben Plätze im Heimspiel belegte. Die irischen Sieger nahmen die Glückwünsche der Besiegten entgegen und gaben das Versprechen, in zwei Jahren bei den inoffiziellen Weltmeisterschaften in Holland (NKB/2010)sich erneut den Besiegten zum Revanche-Wettkampf zu stellen. Im Anschluss daran steht dann das nächste große Aufeinandertreffen 2012 in Pesaro/Italien im Rahmen der 14. Europameisterschaften an.

In der Schlussveranstaltung im Anschluss an die Straßenkämpfe erhielt der gastgebende irische Verband viel Anerkennung für die Organisation der reibungslos abgelaufenen 13. Europameisterschaften. BC-Vorsitzenden Susan Green erklärte die 13. Europameisterschaften als beendet und reicht die Fahne für die 14. Europameisterschaften 2012 an Maurizio Della Constanza, ABIS-Präsident (Italien) weiter. ABIS-Präsident Della Constanza versprach allen Verbänden, dass die 14. Europameisterschaften in vier Jahren für die teilnehmenden Verbände ansprechende Spiele sein würden. Er habe für seinen Verband viele Anregungen aus den gerade abgelaufenen Europameisterschaften gewinnen können, die in vier Jahren in die italienische Veranstaltung einfließen sollten.

Einen Dreifacherfolg für das irische Frauen-Team im Straßenkampf konnte vor der Europameisterschaft niemand erwarten. Letzte Einzelsiegerin für das irische BC-Frauenteam war Gretta Cormican, heute IBA-Sekretärin, 1984 in Garding/Schleswig-Holstein. Am Sonntag nun erreichte die bereits außergewöhnliche Karriere von Siegerin Kelly Mallon mit dem Gewinn der Europameisterschaft einen neuen Höhepunkt. Ihre 1.459 Meter brachten ihr am Ende die Goldmedaille, sieben Meter vor Catriona O’Farrell-Kidney. Fünf der sechs irischen Starterinnen gelangten in die Tage-Top10. Kelly Mallon, All-Ireland-Champion der Frauen und Jugend (!), amtierende Queen-of-the-Roads, legte einen perfekten Wettkampf hin mit einem Wurfschnitt um die 150 Meter. O’Farrell-Kidney, am Samstag schon mit einer Top-Leistung im Feldkampf aufwartend, bewies erneut ausgeprägte Kampfkraft. Obwohl ihr der siebte Wurf scheinbar schon alle Erfolgschance beraubte, kämpfte sie wieder heran. Die beiden letzten Würfe ihres Wettkampfes waren von unglaublicher Weite und brachten sie wieder an die Führende heran – am Ende fehlten dann sieben Meter zur Goldmedaille. Zwei Silbermedaillen an diesem Wochenende (Feld- und Straßenkampf) erhöhten ihre Einzel-Medaillenausbeute seit ihrem ersten Auftreten bei Europameisterschaften im Jahr 2000 auf mittlerweile fünf Medaillen. Dervla Toal gewann mit 1.436 Meter die Bronzemedaille. Emma Fitzpatrick wurde mit 1.308 Meter hervorragende Sechste, Louise Daly Achte mit 1.272 Meter und Louise Collins 20. Mit 1.030 Meter. Alle irischen Starterinnen haben damit ihren wichtigen Anteil am Team-Erfolg mit dem Gewinn der Team-Goldmedaille.

Die ärgerlichste Niederlage am EM-Wochenende im Wettkampf um eine Goldmedaille musste wohl Aidan Murphy (BC/männliche Jugend) hinnehmen. In einer sehr spannenden Meisterschaft trennten die besten Vier am Ende nur 20 Meter. Zunächst übernahm Arthur McDonagh die Führung, nachdem er in seinem Match die kontinentalen Gegner mit 1.673 Meter deutlich abgestraft hatte. Nächster am Start aus dem BC-Team war Kieran Murphy, der in der Endabrechnung den siebten Rang belegte und sich dabei dem Besten aus dieser Startgruppe, Bernd-Georg Bohlken (FKV), geschlagen geben musste. Bernd-Georg Bohlken, Sohn des legendären Deutschen Hans-Georg Bohlken (FKV), kam nahe an die Bestmarke von Arthur McDonagh heran und belegte am Ende den vierten Platz. In der dritten Startgruppe gab Jan Galts (FKV) den Takt vor. Er schlug im direkten Vergleich seinen irischen Gegner Thomas Mackle klar. Jan Galts feuerte mit dem letzten Wurf einen sensationellen Schuss ab. Die Kugel lief und lief auf der linken Straßenseite hoch und passierte die bisherige Bestmarke von Arthur McDonagh nur um wenige Meter zur Führung. In der letzten Startgruppe präsentierte sich Aidan Hurley in atemberaubender Form. Nach drei Wurf übernahm er gegenüber der bisherigen Eröffnungsbestweite von Jan Galts erstmals die Führung und setzte sich weiter ab. Der achte Wurf jedoch geriet ihm aus der Bahn. Mit dem neunten Wurf zog er aber wieder davon, als ein Geschoss von gut 230 Meter abfeuerte. Zum Gewinn der Europameisterschaften fehlten ihm vor dem finalen zehnten Wurf nur noch knapp 100 Meter. Den zehnten Wurf aber führte er im Abwurf zu nahe am Körper und zog ihn nach rechts raus und am Ende fehlten ihm auf den neuen Europameister Jan Galts nur zwei Meter. Die Europameisterschaft ging an Jan Galts vom FKV – der Teamtitel aber an die Iren.

Eine Wahl zur „Sportlerin des Wochenendes“ würde sicherlich auf die vielseitige niederländische gut sechs Fuß (ca. 1,84m) große weibliche Jugendliche Silke Tulk fallen. Sie gewann zwei Einzel-Goldmedaillen (Feld- und Straßenkampf) und eine Einzel-Bronzemedaille (Standkampf). Brillant im Feldkampf am Samstag war sie am Sonntag auf der Straße einfach unschlagbar. Mit 1.454 Meter lag sie nur vier Meter hinter Frauen-Siegerin Kelly Mallon und 145 Meter vor ihren nächsten Herausforderern in der weiblichen Jugend, Kathrin Blum, Fenja Frerichs und Anke Klöpper (alle FKV). Als zweitbeste Irin kam Jane O’Neill auf den fünften Rang. Das Armagh-Mädchen hatte erlebte einen schlechten Start und konnte den Rückstand im weiteren Verlauf nicht mehr wettmachen. Mit Lorraine Hurley als Siebte und Karena Hunter als Zwölfte belegte das irische Team den Bronzeplatz.

Feldkampf – Rathcool: Nebel am frühen Morgen und sporadischer Regen im weiteren Tagesverlauf taten den Wettkämpfen keinen Abbruch und erlaubten trotzdem einen wunderbaren Sporttag. Ein glorreicher Sieg von Philip O’Donovan krönte einen erfolgreichen Tag für den irischen Kader mit den Silbermedaillen für Killian Kingston (männliche Jugend) und Catriona O’Farrell-Kidney (Frauen). O’Donovans Duell mit Titelverteidiger Dirk Taddigs (FKV) im finalen Durchgang der Männerkonkurrenz war ein sehr spannende Angelegenheit. Alle zehn Würfe lagen die Kontrahenten auf dem gut vorbereiteten aber zunehmend rutschigeren Gelände spannend gleichauf. Eamonn Bowen jun. Legte für das ausgezeichnete irische Team mit 840 Meter zunächst zur Führung vor, die anschließend David Murphy (844 Meter) und Edmund Sexton (864)für den Teamerfolg ausbauten. Die für das irische Team seit jeher bei Europameisterschaften erfolgreich agierenden Christy Mullins (867) und Bill Daly (871) lieferten sich enge Matches mit den Holländern Mark oude Luttikhuis (876) und dem 2000-Champion Robert Meijer (890). Das endgültige Showdown zwischen O’Donovan und Taddigs aber musste die Entscheidung bringen. Durch den Schlamm kämpften sich O’Donovan und Taddigs Kopf-an-Kopf mit ständig wechselnder knapper Führung. Zwei Runden vor Schluss holte O’Donovan die entscheidende Führung, die er trotz wachsenden Druck durch Taddigs ins Ziel zum ersten Einzel-Goldgewinn für das irischen Team halten konnte. Ungezügelte Freude über den Sieg spiegelten sich bis zur Siegerehrung am Abend wider. Trotz widriger Wetterbedingungen herrschte ausgelassene Freude überall. Irland gewann die Teamwertung vor dem FKV mit mehr als 500 Meter überlegen.

Die neue Kraft im Frauenfeldkampf ist Christina Damken (FKV). Unter schwierigsten Bedingungen gewann sie nach ihrem Jugend-Gold 2004 in Westerstede nun auf Anhieb mit grandiosen 655 Meter auch die Goldmedaille in der Frauenkonkurrenz. Catriona O’Farrell-Kidney musste sich geschlagen geben und konnte ihren Titel von 2004 nicht verteidigen. Mit der Silbermedaille platzierte sie sich vor Sandra Schimanski auf dem Bronzeplatz. Gretta Cormican bewies erneut ausgezeichnete Wettkampfqualitäten und ging als zweitbeste Irin auf dem zwölften Rang in Ziel; Marie Noonan wurde 18., Louise Collins 21., Aisling White 23. und Susan Cullen 25., was in den Endabrechnung dem irischen Team die Bronzemedaille einbrachte.

Killian Kingston zeigte in der männlichen Jugend herausragendes Feldkampf-Potenzial und übernahm mit herrlichen 860 Meter für lange Zeit die Führung. Das Klootschießer-"know-how" von Stefan Runge (FKV – am Vortag Silber im Standkampf) sollte am Ende den Ausschlag geben für Kingstons Niederlage gegen den neuen Europameister. Stefan Runge flüchtete gut hinaus und überholte im Wettkampfverlauf die bisherige Bestweite von Kingston. Die Bronzemedaille gewann Hendrik Rüdebusch (FKV) mit 853 Meter. Kingston holte gemeinsam mit Christopher Murray (13.), Arthur McDonagh (14.) und Paudi Lucey (16.) die Bronzemedaille für das irische Team.

Silke Tulk (NKB) gewann den Feldkampf der weiblichen Jugend mit 702 Meter vor Anke Klöpper und Kathrin Blum (beide FKV). Das irische Team mit Lorraine Hurley (7.), Eilish Murray (11.) und Karena Hunter (12.) warf gut mit, konnte aber gegen die körperliche Überlegenheit der deutschen und holländischen Konkurrentinnen nichts ausrichten.

Standkampf – Cork: Das „Nemo Rangers“-Stadion bot den perfekten Rahmen für den Standkampf mit der deutschen Klootkugel. Dem irischen Team stand in den einzelnen Altersklassen eine Nebenrolle im Zweikampf zwischen den beiden deutschen Verbände FKV und VSHB zu. Dennoch entwickelte sich ein prachtvoller Wettkampftag. Der steife Gegenwind behinderte die Weitenjagd und ließ die Konkurrenz einige Meter je Wurf einbüßen. Zunächst übernahm Urgestein Hans-Georg Bohlken (FKV) mit 241 Meter aus drei Wurf für lange Zeit die Führung. Am Ende setzte sich mit Frank Goldenstein (FKV) aber doch die Jugend durch. Der 22-Jährige gewann den Titel mit 257 Meter vor Thore Fröllje mit 255 Meter. Hinter Bohlken (3.) belegte Sönke Dreeßen (VSHB) den vierten Rang. Als bester Ire schnitt Martin Coppinger (19.) ab. Die weiteren irischen Starter Eamonn Bowen jun., David Murphy, Christy Mullins, Mike Bohane, David Hubbard, Edmund Sexton, John Shorten, Seamus Sexton jun und Ian Callanan platzierten sich im breiten Mittelfeld – gut genug für den Gewinn der Bronzemedaille für das irische Team.

Der VSHB holte Frauen-Gold mit Ute Uhrbrook nach 157 Metern vor der zweitplatzierten Annika Noormann und Andrea Blonn (beide FKV). Geraldine Daly (14.), Aisling White (19.), Marie Noonan (21.), Emma Fitzpatrick (22.), Susan Cullen (23.) und Gretta Cormican (25.) waren als Team zu weit von der Bronzemedaille entfernt und gingen leer aus.

Killian Kingston war in der männlichen Jugend der beste irische Starter als Siebter. Mit 197 Metern legte er einen hervorragenden Wettkampf hin, lag am Ende aber dennoch knapp 40 Meter hinter Sieger Timo Petznik (FKV). Die Silbermedaille holte Stefan Runge vor Daniel Brungers (beide FKV). Christopher Murray (14.), Paudi Lucey (15.) und Cian Shorten (16.) boten zwar eine geschlossene Teamleistung, konnte aber die Holländer auf dem Bronzeplatz nicht angreifen und ging als Vierte ins Teamziel.

13. Europameisterschaft der Verbände ...

IBA - International Bowlplaying Association (Dachverband)
BC - Bol Chumann na hÉireann (Irland)
FKV - Friesischer Klootschießerverband e.V. (Deutschland)
VSHB - Verband Schleswig-Holsteinischer Boßler (Deutschland)
NKB - Nederlandse Klootschieters Bonden (Holland)
ABIS - Associazione Boccetta Italiana su Strada (Italien)