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Quelle: Ute
Draschba aus
Irland / 06.05.2008

Reisebericht Land und Leute in Irland
Die Seelenverwandtschaft der
Friesen und Iren
Von Edo Hippen
(Ostfriesland)
und Ute Draschba
(Oldenburg)
aus Irland
Friesland/Irland.
Es ist nicht nur das Klootschießen und Boßeln, was die
hiesigen Friesensportler nach Irland zieht. Vielmehr ist es
die Seelenverwandtschaft der Menschen, die Schönheit des
Landes und das Lebensgefühl auf der grünen Insel, wie es
schon Heinrich Böll so treffend in seinem Roman „Irische
Tagebücher“ beschreibt. Dabei ist Irland nicht mehr das
Irland wie vor 16 Jahren, als letztmals in Cork die
Europameisterschaften stattfanden. Gerade das pulsierende
Dublin und das quirlige Cork haben zu den europäischen
Metropolen aufgeschlossen. Wer den ursprünglichen irischen
Charme von einst erfahren möchte, muss raus in die Provinz.
Sei es im Nordwesten das karge Connemara und die steilen
Klippen auf Achill Island oder im Süden die saftig grünen
Hügel mit dem Geheimtipp für Reisende dem Ring of Beara und
der Nationalpark Goagan Bara nahe Macroom. Hier scheint die
Zeit förmlich stehen geblieben zu sein. Fragt man einen Iren
nach dem Weg, muss man ob der eigenen Gaelischen Sprache
nicht nur genau hinhören, sondern erfährt man schnell auch
die Liebenswürdigkeit dieser Menschen. Selbst als
kurzweilige Bed&Breakfast Gäste gehört man schon zum
Dorfleben dazu. In Islandeady bei Castlebar im Country Mayo
werden wir bei einem abendlichen Spaziergang von Reverend
Pat Donnelan der Islandeady Church überschwänglich begrüßt.
Gespannt erkundigt er sich nach unserer Herkunft und weiß
selbst über verwandtschaftliche Kontakt nach Deuschland zu
erzählen und das, obgleich sich die Kirche zum abendlichen
Gottesdienst schon reichlich füllt. Die Iren nehmen sich
Zeit und lieben das Gespräch, aber Vorsicht: häufig ist auch
der so typisch irische Humor dabei. Hektik scheint ein
Fremdwort zu sein. Stoische Ruhe und Gelassenheit macht
diesen Menschenschlag aus.
Eingebettet zwischen den Farmen
der Kleinbauern – Viehhaltung von Schafen und Rindern prägt
hier das Bild – liegt unsere zweite Unterkunft die Spideoga
Fisherlodge von Sigi und Greg Latour im südirischen Country
Cork am Rande des Nationalparks Goagan Barra. Vor 18 Jahren
hat das Ehepaar aus Aachen sich hier niedergelassen. Auch
hier war es die Liebe zu Land und Leute, die das
Aussteigerpaar auf die grüne Insel trieb. Die beiden Söhne
sind hier geboren und gehen in Irland zur Schule. Boßeln und
Klootschießen sagt Ihnen nichts, aber Roadbowling, das haben
sie schon in der Schule gemacht. Im Schulsport ist
allerdings eher der Galic Football angesagt. Der
Nationalsport schlechthin. Wir selbst erleben am Freitag
Abend ein Schulturnier mit vielen Jungen und Mädchen, die
bei der feierlichen Siegerehrung allesamt mit Namen durch
deren Coach nach vorne gerufen werden. Die stolzen Eltern
bilden die Fangemeinde, denn in Irland wird das
Familienleben groß geschrieben.
Irland ist wie 1992 auch 2008
noch immer eine Reise wert. Farbenfrohe Ortschaften, der
gemütliche Pub, in dem wir übrigens das Championsleague
Spiel Chelsea gegen Liverpool am offenen Kamin bei
köstlichem Tee und Sandwiche auf Kosten des Hauses inmitten
einer irischen Männerrunde erleben durften, und die
Livemusik gibt es noch immer.


