Bei Rückfragen:

Gerold Meischen

 

Mobil 0172-6310925
meischen@friesensport.de


© / Quelle: Ostfriesischer Kurier / 07.03.2008

bereitgestellt durch

ARD-Nachrichtenmann träumt vom EM-Ticket

Friesensport  Beruflich fungiert Thomas Hinrichs als Zweiter Chefredakteur ARD-aktuell

Herz schlägt fürs Klootschießen

Sein tägliches Brot sind Tagesschau und Tagesthemen.

Von der Klootkugel kann er aber auch in Hamburg seine Finger nicht lassen.

von Bernhard Uphoff

Thomas Hinrichs (Westerende/K) kämpft in der EM-Qualifikation um seine vierte EM-Teilnahme.

Hamburg – Am Mittwoch war er noch beruflich in München unterwegs. Um den neuen Kurs im Rahmen eines keineswegs lautlos umzusetzenden Optimierungskonzeptes vorzugeben, ist Thomas Hinrichs persönlich in den Süden gereist. Die Kommandobrücke des gebürtigen Ostfriesen steht in Hamburg. Dort ist der 40-Jährige aus Westerende/Kirchloog bei Aurich als Zweiter Chefredakteur von ARD-aktuell federführend für die Tagesschau, Tagesthemen und das Nachtmagazin verantwortlich. In seiner wenigen Freizeit bleibt Hinrichs seinen Wurzeln treu: „Ich will als Klootschießer noch einmal zu einer Europameisterschaft fahren“, sagt der bekannte Fernsehjournalist. Um bei den Ausscheidungswerfen fit zu sein, greift er auch in der Hansestadt zur Klootkugel und absolviert sein Training im Stadtpark. „Am besten geht das morgens in der Früh oder wenn es regnet. Nach 9 Uhr kommen Kinder und Hundebesitzer. Dann wird es schwierig“, schmunzelt Hinrichs. Um sich möglichst optimal auf den von ihm anvisierten internationalen Standkampf Anfang Mai im irischen Cork vorzubereiten, hat sich der ARD-Mann inzwischen auch ein Sprungbrett organisiert. Außergewöhnliche Trainingskulissen ist er gewohnt, warf der Auricher doch während seiner beruflichen Karriere als Journalist auch schon im Berliner Tiergarten oder im Münchner Olympiazentrum. Interessierte wie verwirrte Blicke kennt er: „In der Großstadt gibt es viele Verrückte. Einige finden meinen Sport skurril, andere irgendwie cool.“ Der junge Familienvater selbst kommt sogar weit weg von der ostfriesischen Heimat von seiner Leidenschaft nicht los: „Klootschießen ist ein grandioser Sport. Wenn einen das Sprungbrett in die Luft schleudert und der Kloot durch die Luft fliegt, ist das faszinierend und macht unheimlich viel Spaß.“

In seiner Disziplin ist Hinrichs gewiss kein Unbekannter. Dreimal stand er bereits in EM-Mannschaften des Friesischen Klootschießerverbandes. Der Vize-Verbandsmeister der Hauptklasse Männer I würde mit seiner Bestleistung von 84,50 m heute locker ins neue Team für Cork einziehen. Bei der Qualifikation für die jüngste EM in Irland 1992 reichte diese Weite nur zum Platz als Ersatzmann. Als Werfer für Ostfriesland hat er sich zudem einen Namen bei Feldkämpfen gemacht. Bundesweiten Bekanntheitsgrad erhielt Hinrichs durch seinen Nachrichtenjob vor der Kamera. Der war keineswegs fest geplant. Nach seinem Studium in Geschichte und Germanistik mit Magisterabschluss als Historiker wollte der Auricher zu einer Tageszeitung. Er überbrückte seine Wartezeit mit einem Ausflug zur Deutschen Welle in Washington, zu der er während eines Auslandsemesters Kontakt aufgebaut hatte. Es folgte 1995 ein Praktikum beim Bayrischen Rundfunk und eine Entscheidung: „Über München bin ich quasi beim Fernsehen hängen geblieben.“ Dort prägte sich sein Gesicht von 1999 bis 2005 ein. Als Korrespondent im Berliner Hauptstadtstudio übernahm Hinrichs die Finanzberichterstattung und war so regelmäßig beispielsweise in der Tagesschau zu sehen. Danach erklomm er die Karriereleiter Sprosse für Sprosse weiter. Eineinhalb Jahren als Leiter des Mittagsmagazins in München folgte zum 1. Januar 2006 sein Job als Zweiter Chefredakteur ARD-aktuell. Seine Arbeitstage sind prall gefüllt, um in Kooperation mit den Landesrundfunkanstalten im harten Konkurrenzkampf optimale Formate anzubieten. In der ersten großen Konferenz morgens um 10.30 Uhr bildet die Tagesschau den Schwerpunkt. Eine Stunde später dreht sich alles um die Tagesthemen, gegen Mittag laufen die Planungen für das Nachtmagazin an, ehe am frühen Nachmittag die Landesrundfunkanstalten zur Absprache zugeschaltet werden: „Es muss viel organisiert werden. Management und Verwaltung gehören dazu.“ Zumal die Technik auf den allerneuesten Stand gebracht wurde und die Produktion stark angezogen hat – wobei alte Zöpfe abgeschnitten wurden. ARD-aktuell verfügt in Redaktion und Produktion über fast 240 Mitarbeiter.

Wie schon 2004 (Bild) zählt Henning Feyen zu seinen ärgsten Widersachern um ein EM-Ticket.

Am 15. und 22. März allerdings wird Hinrichs nicht für die Top-Nachrichten in der ARD zuständig sein. Dann geht es in Bohlenbergerfeld auch für den Nachrichtenmann um EM-Tickets. Bis auf Weihnachten ist er sonst im Jahr nicht in Ostfriesland. „Man gehört aber sofort wieder dazu“, fühlt sich der Auricher schnell heimisch. Mit einem Höchstwurf von 74,40 m rangiert er derzeit auf Platz zwölf – das bedeutet vorläufig ein EM-Ticket als Reservist und damit Motivation pur: „Vor vier Jahren bin ich als 13. knapp gescheitert. So will ich aber nicht aufhören.“ Auch diesmal wird es knapp für den Butenostfreesen. Henning Feyen und Horst Dieling drängen nach.

Seinem Sport bleibt Hinrichs so und anders treu. „Ob ich in Amerika, München oder Berlin war, alle Leute fanden Klootschießen klasse. Dieser einmalige Sport wurde von unseren Urahnen entwickelt. Man muss selbstbewusst damit umgehen und ihn in moderner Form attraktiv halten“, meint Hinrichs. Sein 23 Monate alter Sohn Theodor, benannt nach seinem Großvater, hat bereits die ersten Schritte auf dem Sprungbrett unternommen. Für Hinrichs ist eine Flüchter-Kugel ein ständiger Wegbegleiter. Ob heute in München oder morgen in Hamburg: „Ein Kloot liegt immer im Auto und fährt überall mit hin. Das brauche ich.“