© / Quelle: Ostfriesische Nachrichten / 03.09.2004

Boßeln: Krull erwartet Mehrheit für neue Boßelregeln
Schulungsveranstaltungen mit positiven Erfahrungen

Der Auricher Kreisboßelobmann Matthias Krull (l.) schulte an vier Abenden knapp 350 Vertreter (hier im Gasthof Ihlow) aus den Vereinen des Kreisverbandes Aurich. Auf dem Programm standen die neuen FKV-Werferbestimmungen.

Foto: Banik

wrs Aurich. Kreisboßelobmann Matthias Krull hat eine anstrengende Woche hinter sich. Von Montag bis Donnerstag stand er an jedem Abend interessierten Boßlern aus den Vereinen vom Kreisverband Aurich Rede und Antwort. Auf dem Programm bei den Schulungsveranstaltungen in Ihlow, Moordorf, Langefeld und Spekendorf standen die neuen Werferbestimmungen des Friesischen Klootschießerverbandes (FKV) sowie ein Entwurf für die Regeln, die für die Auricher Mannschaften, die unterhalb der Kreisligen von Männer I bis III sowie Frauen I und II werfen (die ON berichteten). Dieser Entwurf steht heute Abend bei der Herbstversammlung des Kreisverbandes Aurich in Spekendorf zur Abstimmung. Krull erwartet, dass die Delegierten die Vorlage befürworten. „Ich rechne mit einer breiten Mehrheit“, sagt Krull auf ON-Nachfrage. Auch deshalb, weil die Erfahrungen mit dem neuen Regelwerk auf den Boßelschulungen überwiegend positiv waren.
Am Anfang seien auf den Veranstaltungen Vorbehalte spürbar gewesen. Diese hätten sich „nach sachlichen Diskussionen“ verflüchtigt. „Bei vielen hat es Klick gemacht“, räumt Krull ein. Auch deshalb, weil auf den Schulungen mit praktischen Beispielen gearbeitet wurde. Zahlreiche Situationen stellte Krull plastisch mit Skizzen dar. Dazu gehörten Beispiele an den Wende - und Zielmarken. Zwischen 80 bis 100 Männer und Frauen nahmen pro Abend an der Schulung teil. Das sei nach Ansicht vom Kreisboßelobmann Krull ein gutes Resultat gewesen. Es zeige, dass die Boßeler großes Interesse am neuen Regelwerk hätten. Wenn Ende September der Punktspielbetrieb der Boßler beginnt, gilt für alle Mannschaften das Streckenwerfen. Die Akteure werfen auf einer festgelegten Strecke mit fixen Wendemarken, ohne Ausfall. Das Rundenwerfen mit Ausfall gilt nur noch für Männer V. Spricht sich die Mehrheit der Delegierten heute Abend auf der Herbstversammlung des KV Aurich für den Entwurf aus, entfällt für die Auricher Teams unterhalb der Kreisliga die feste Wende. Gewendet wird dann nach dem 21. Wurf der führenden Mannschaft.

Boßeln: „Streckenwerfen gerechter“
Ligaversammlung der Frauen: Neues Regelwerk sorgt für Fragen

Landesboßelobmann Reiner Berends (r.) begrüßte knapp 70 Vereinsvertreter auf der Ligaversammlung der Frauenmann-schaften. Im Mittelpunkt der Diskussion standen Fragen zum Streckenverlauf und wann ein Spiel beendet ist.

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wrs Langefeld. Fast 90 Minuten lang verläuft die Ligaversammlung der Frauenboßelteams im Saal der Gaststätte Krull in Langefeld ohne Probleme. Gegen 21:30 Uhr als sich die meisten Anwesenden auf ein pünktliches Ende freuen, macht eine Frage die Runde, die das zuvor Gesagte wieder in Frage stellt. „Was soll dieser ganze Zirkus und weshalb müssen wir uns den Oldenburgern anpassen?“, will eine Mannschaftsführerin wissen. Die Vertreter vom Boßelausschuss des Landesverbandes behalten die Ruhe. Gelassen und souverän ersticken sie den emotionalen Aufschrei im Keim. Allen voran Ihno Sjuts vom Kreisverband Norden. Er erklärt, welche Vorzüge das neue Regelwerk hat.
„Mit dem Streckenwerfen bekommen wir mehr Gerechtigkeit auf die Straße“, sagt der Norder. Das Rundenwerfen mit Ausfall sei ungerecht. Jetzt müsse jeder werfen, egal ob es sich um schwache oder starke Werfer handele. Taktische Spielchen mit der Mannschaftsaufstellung gebe es nicht mehr. Sjuts sieht auch einen großen Vorteil für die Nachwuchsarbeit. Oftmals mussten nicht so starke Kinder und Jugendliche beim Rundenwerfen mit Ausfallmodus pausieren. Es gab einige Fälle, wo einige Nachwuchswerfer pro Wettkampf nur ein oder zwei Mal zum Einsatz kamen. Gerade diese Kinder hätten schnell die Lust am Boßeln verloren, gibt Sjuts zu bedenken. Sie seien zu anderen Sportarten wie Fußball oder Handball abgewandert. Landesboßelobfrau Edeltraut Wiets-Frerichs spricht von einem „guten Kompromiss“, den Ostfriesen und Oldenburger gefunden haben. Damit werden im Friesischen Klootschießerverband (FKV) von der Kreisliga aufwärts überall gleiche Bedingungen geschaffen, betont Wiets-Frerichs. Nach diesen Einwändungen der Funktionäre kehrt Ruhe unter den Delegierten ein.

Zu Beginn der Ligaversammlung werden unter den Vereinsvertretern lebhaft die neuen Spielpläne besprochen. Ebenso stehen die Funktionäre zum neuen Regelwerk Rede und Antwort. Die Vertreter wollen wissen, was es mit Werferkarte und Wendemarkierung auf sich hat und wann eine Partie beendet ist. Sjuts gibt praktische Tipps. Auch deshalb, weil die Norder Vereine bereits seit einem Jahr mit den neuen Regeln Erfahrungen gesammelt haben. Zur Werferkarte, auf der die Anzahl der Würfe notiert werden, sagt Sjuts: „Nach vier bis fünf Spieltagen geht es auch ohne. Sie ist am Anfang eine Gedächtnisstütze. Später ha-ben wir sie nicht mehr gebraucht.“ Hinsichtlich der Wendemarkierung betont Sjuts: „Die Markierung ist für ein Jahr gültig.“ Aus seiner Erfahrung seien die Strecken oftmals zu lang gewesen. Die Frage, wann ein Spiel beendet ist, sorgt bei den Beteiligten für Gesprächsstoff. „Die führende Mannschaft muss grundsätzlich die Ziellinie überwerfen“, sagt Sjuts. Eine Mannschaft liegt in Führung, wenn sie weniger Würfe als die Konkurrenz benötigt. Sjuts nimmt den Zuhörern die Angst vor dem neuen Regelwerk: „Zuerst klingt alles ganz schwierig. Aber nach einem Jahr ist alles ganz einfach“, macht Sjuts den Werferinnen Mut.