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© / Quelle: Ostfriesische Nachrichten / 12.05.2004

Boßeln: Pilotentraining für Friesensportler
12. Europameisterschaften im Boßeln und Klootschießen:

Für Trainer Frido Walter hat Teamtitel Vorrang

wrs Aurich. Sie üben seit Monaten. Mit der Eisenkugel. Männer, Frauen, Jungen und Mädchen tanken Ausdauer beim Laufen oder holen sich Kraft im Fitnessstudio. Selbst eine Expertin für Stressbewältigung wurde herangezogen, damit die Friesensportler im Wettkampf nicht versagen und aufs Treppchen kommen. Bei der Meica Boßel Euro am 22. Mai im Straßenboßeln in Halsbek. Viele wünschen sich eine gute Platzierung bei den Titelkämpfen zwischen deutschen, italienischen, irischen und niederländischen Akteuren. Nicht wenige träumen vom Titel. Gold, das Ticket für die Fußnoten in den Geschichtsbüchern der Boßeler.
Dort ist der Pfalzdorfer Frido Walter als bisher einziger Goldmedaillengewinner im Einzel angekommen. Auch er hat Träume. Als amtierender Boßelobmann des Friesischen Klootschießerverbandes (FKV) träumt er vom Mannschafts-Gold. Am zweiten Wettkampftag der Boßel-Euro sorgen die Wettbewerbe von Jugend, Frauen und Männer mit der irischen Eisenkugel für Furore. Dabei steht der Wettkampf der männlichen Konkurrenz im Blickpunkt. Seit 1969 gewann Irland elf Mal den Mannschaftswettbewerb. Eine Ausnahme bildete die EM 1992 im irischen Cork. Damals siegten die Akteure vom Friesischen Klootschießerverband(FKV) im Mutterland der Eisenkugelwerfer. Für die Iren ein Debakel. Eine Sternstunde für den FKV. Geht es nach den Wünschen von Frido Walter, soll es in Westerstede das zweite Mannschafts-Gold in der EM-Geschichte für den gastgebenden Verband geben.
ON-Sportredakteur Wolf-Rüdiger Saathoff sprach mit dem Trainer der FKV-Mannschaft, der auch als Aktiver an den Start geht, über EM- Vorbereitungen und Aussichten zfür das kommende Friesensportspektakel.
 

ON:   

Welche Erwartungen hat der FKV-Boßelobmann an seine Mannschaft?

Walter:  

Der Erwartungsdruck ist hoch. Auch deshalb, weil es für den FKV und seine Werferinnen und Werfer ein Heimspiel ist. Die Vorteile liegen bei uns. Wir müssen sie nur nutzen. Aber wir dürfen nicht abheben sondern müssen auf dem Teppich bleiben.

ON:   

Drückt der Trainer kurz vor Beginn der Wettkämpfe auf die Euphorie-Bremse?

Walter:  

Nein, ganz bestimmt nicht. Es geht darum, dass unsere Teilnehmer die richtige Einstellung zum Wettkampf bekommen. Wir haben bei den Männern und Frauen gute Chancen, um das Gold in der Mannschaftswertung zu gewinnen. Vor allen Dingen bei den Männern haben wir einen homogenen Kader, der die Iren schlagen kann, was uns bisher nur einmal, nämlich 1992 in Cork, geglückt ist. Das war ein großer Tag, den viele nicht vergessen haben. Dennoch müssen wir jetzt ernsthaft und konzentriert zur Sache gehen.

ON:    Wie sehen die Vorbereitungen bei den Aktiven aus?
Walter:  

Der Kader trifft sich zwei Mal zum gemeinsamen Training auf der Euro-Strecke. Beim ersten Termin Anfang Mai wurden erstaunliche Ergebnisse erzielt, die Hoffnung machen. Am kommenden Sonnabend gehts mit dem zweiten Trainingswerfen weiter. Dabei werfen Jugendliche zusammen mit den Erwachsenen. Das ist wichtig für die Motivation des Nachwuchses. Bei der Jugend haben wir große Medaillenhoffnungen. Erstmalig gibt es dort auch eine Mannschaftswertung. Unsere Aussichten auf einen Platz ganz oben auf dem Treppchen sind gut. Neben dem offiziellen Training bereitet sich jeder individuell auf die EM vor.

ON:    Wie sehen diese Maßnahmen aus?
Walter:  

Ich kenne viele Werfer, die regelmäßig nach Halsbek fahren, um dort zu trainieren. Sie prägen sich die Feinheiten auf der Strecke ein, um im Wettkampf immer die passende Antwort parat zu haben. Ebenso halten sich die Aktiven mit Jogging fit oder sie gehen ins Fitnessstudio, um Kraft und Ausdauer zu tanken.

ON:   

Welche Voraussetzungen müssen die Aktiven mitbringen, um im Wettkampf vor den vielen Zuschauern bestehen zu können?

Walter:  

Wichtig ist, dass sich jeder Einzelne locker und unverkrampft auf das Match einlassen kann. Das ist nicht einfach, weil Tausende von Zuschauern an der Strecke stehen. Diese Situation ist nicht mit dem Training oder dem Ranglistenwerfen vergleichbar. Und weil es eine Ausnahmesituation ist, haben wir im Vorfeld für die Teilnehmer mentale Trainingskurse veranstaltet. Eine Expertin, die üblicherweise Piloten in Stresssituation schult, hat uns in kleinen Gruppen informiert, wie man mit Wettkampfsituation vernünftig umgeht. Beispielsweise Tipps, wie man sich im Trubel konzentriert und sich nicht ablenken lässt.

ON:   

Die Qualifikation zur EM im Eisenboßeln zeigte, dass jeder aus dem Kader für einen Tagessieg in Frage kommt. Soll heißen, jeder kann auch Europameister werden.

Walter:  

Es stimmt, dass mehrere Werfer für den Titel in Frage kommen. Das haben auch die Ergebnisse in der Qualifikation gezeigt. Wer mental gut drauf ist und das nötige Quentchen Glück auf der rauen Straße mit den vielen Unebenheiten hat, kommt aufs Treppchen.

ON:   

Einzelmedaille oder Mannschaftstitel. Was hat Vorrang?

Walter:  

Das Ergebnis mit der Mannschaft muss stimmen. Das hat vor Vorrang. Denn, wenn es mit der Mannschaft insgesamt gut läuft, wird es auch Medaillen für einzelne FKV-Boßeler geben.