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© / Quelle: Ostfriesischer Kurier / 08.04.2004

Walter freut sich auf "einmalige EM"
Boßel-Obmann sagt besonderen Straßen-Wettkampf für internationale Titelkämpfe im Mai voraus
"Auf der EM-Strecke in Halsbek werden mehr als die Hälfte der Starter Titelchancen haben."

Pfalzdorf - Vom 20. bis zum 23. Mai werden in Westerstede die 12. Europameisterschaften der Klootschießer und Boßler ausgetragen. Die Vorbereitungen dazu laufen auch bei den Boßlern auf Hochtouren, die am 22. Mai in Halsbek gegen die internationale Konkurrenz aus Irland, Holland, Italien und Schleswig-Holstein antreten. Die ersten EM-Tickets sind, unter anderem an hiesige Werfer, bereits vergeben. "Ich glaube, wir werden in Halsbek eine EM auf der Straße erleben, wie es sie noch nie gegeben hat", blickt FKV-Boßelobmann Frido Walter im Interview mit KURIER-Sportredakteur Bernhard Uphoff gespannt nach vorne.

 

Frido Walter

FKV-Boßelobmann

 

Bernhard Uphoff

Ostfriesischer Kurier

 

Kurier:   

Herr Walter, sind die besten Boßler aus Ostfriesland und Oldenburg für die EM im Mai in Westerstede gewappnet?

Walter:  

Das glaube ich schon. Bei den sieben Frauen, die quasi schon für die EM feststehen, bieten wir als Gastgeber die Creme des FKV auf. Dazu zählt auch die Westermarscherin Simone Davids. Diese sieben Werferinnen gehören von ihrer Wurfstärke und von ihrer Sicherheit zur EM.  Das Team ist eine der stärksten Truppen, die wir bei der EM an den Start bringen.

Kurier:    Wie schätzen Sie das Männer-Team des FKV ein?
Walter:  

Wenn ich auf die zwölf Werfer schaue, die vor der letzten Ausscheidung die vorderen Plätze einnehmen, haben wir auch dort eine schlagkräftige Truppe zusammen. Viele erfahrene Werfer sind dabei. Für den Westeraccumer Robert Djuren steht die Premiere im EM-Boßeln an.

Kurier:   

Der ehemalige Jugend-Europameister Ralf Look aus Großheide ist ein Wackelkandidat.

Walter:  

Das wundert mich eigentlich. Er hat sich intensiv vorbereitet. Das Zeug zum EM-Ticket hat er und die Chance dazu als Neunter natürlich auch.

Kurier:    Gibt es Überraschungen?
Walter:  

Die Leistungen der Jugendwerferin Maike Meyer aus Berumerfehn sind sehr beeindruckend. Sie ist für mich eine Bank bei der EM. Das gilt auch für die Grabsteder Talente Kevin Dupiczak und Daniel Popken. Problematisch könnte bei ihnen die Mehrfachbelastung werden, da sie auch in den anderen EM-Disziplinen starten.

Kurier:   

Wie ist das Phänomen Harm Henkel als 49-jähriger EM-Starter zu erklären?

Walter:  

Dass er nach wie vor ein guter Boßler ist, bleibt unbestritten. Die EM-Strecke in Halsbek als Finger-Straße kommt ihm entgegen. Henkel und der 48-jährige Helmut Janssen sind die beiden ältesten Werfer in unserem EM-Team.

Kurier:   

Welcher EM-Kandidat fällt für Sie überraschend aus dem Mannschaftskreis?

Walter:  

Ich habe Umschläge angefertigt und an meine Pinnwand geheftet mit meinen Kandidaten für die Frauen- und Männerteams des FKV bei der EM. Einer davon ist Holger Wilken, der Bronze-Medaillengewinner von Irland. Mich verwundert, dass er als guter Boßler nicht mithalten und keinen einzigen Punkt landen konnte. Allem Anschein nach liegt ihm die Straße in Halsbek nicht.

Kurier:   

Die Punktgewinne im Ranglistenboßeln führen zur EM. Wie hart ist diese Rangliste?

Walter:  

Wichtig ist, dass man während der zehn Ausscheidungswerfen über Monate hinweg konstant seine Leistungen bringt. Das macht einen Top- Boßler aus. Ende September 2003 haben die EM-Kandidaten mit der Eisenkugel ihre Ausscheidungswerfen begonnen. Am 17. April steht das Finale an.

Kurier:   

Sind die FKV-Männer aufgrund dieser langen Vorbereitung auf der EM-Strecke in Halsbek automatisch die EM-Favoriten?

Walter:  

Nein. Ich glaube, wir werden in Halsbek eine Europameisterschaft auf der Straße erleben, wie es sie noch nie gegeben hat. Von den 50 startenden Männern aus den fünf Verbänden konnte man bisher ein Dutzend Favoriten herauspicken. In Halsbek wird mehr als die Hälfte der Starter Medaillenchancen haben. Unser FKV-Team wird eine gute Rolle bei der Vergabe der Einzel- und Mannschaftstitel spielen. Bei allen sieben Kaderwerfen der Männer aber hatten wir sieben verschiedene Sieger. Die Streuung war und bleibt groß. Auf der Halsbeker Straße mit ihren drei Kurven ist vieles möglich.

Kurier:    Wie fair ist die EM-Strecke zu den Werfern?
Walter:  

Ich habe schon Strecken erlebt, die fairer waren. Die Nachwehen der Straßenarbeiten sind immer noch zu spüren. Die Straße ist aber auf alle Fälle würdig für eine EM. Auch die mitfavorisierten Spezialisten aus Irland haben das bei der offiziellen Streckenbegehung betont.

Kurier:    Wie werden die Rollen verteilt sein?
Walter:  

Für mich sind die Iren der Favorit Nummer eins auf den Titel bei den Männern.Wir haben aber eine gute Chance. Bei den Frauen sowie bei der weiblichen und männlichen Jugend bin ich besonders optimistisch, dass der FKV dort etwas reißt. Da sind unsere Teams sehr gut.

Kurier:    Wie lauten die Streckenrekorde in den Hauptklassen?
Walter:  

Die halten Jörg Gronewold mit 1985 Metern und Marion Rocker mit 1627 Metern.

Kurier:    Wie weit muss der neue Europameister werfen?
Walter:  

Es gibt die Meinung, dass vor dem Ergebnis eine Zwei stehen muss. Dem ist nach meiner Einschätzung nicht so. Wer, je nach Witterungsbedingungen, mehr als 1800, 1900 Meter wirft, ist im Medaillenbereich.

Kurier:   

Sie haben als bisher einziger FKV-Werfer 1996 im niederländischen Gesteeren EM-Gold auf der Straße gewonnen. Wie lautet Ihr Erfolgsgeheimnis?

Walter:  

Ich bin ein Wettkampftyp und kann mich auf den großen Moment konzentrieren. Ob dann 1000 oder 8000 Besucher zuschauen, schalte ich aus. Mein erstes Ziel ist erst einmal eine gute Leistung für die Mannschaft.

Kurier:   

Was ist das für ein Gefühl, als Europas Nummer eins gefeiert zu werden?

Walter:  

Diesen Moment habe ich immer noch im Hinterkopf. Das war wunderbar vor acht Jahren. Aber trotzdem muss man auf dem Teppich bleiben und sich immer wieder neu fordern.