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© / Quelle: Norder-Kurier vom 03.12.2003 (Ausgabe vom 29.11.2003)
Keine Ausnahme für Ausnahmewerferin Die Funktionäre bedauern das, bleiben aber stur von Bernhard Uphoff
Norden/bup - Beim ersten EM-Ausscheidungswerfen mit der Hollandkugel hat sich Anke Sjuts gleich bei ihrem Startwurf eine schwere Knöchelverletzung zugezogen. Gut zweieinhalb Monate hoffte die Norderin auf eine zweite Chance. Eine Woche vor ihrem 20. Geburtstag erhielt sie aber ein Schreiben vom Friesischen Klootschießerverband (FKV), das für das Nachwuchstalent ein Schlag ins Gesicht war. In vier Sätzen wurde der Jugendeuropameisterin von 2000 mitgeteilt, dass sie für die internationalen Meisterschaften der Klootschießer und Boßler im Mai 2004 in Westerstede für den aktuellen Feldkampfkader der Frauen nicht nachnominiert werden kann. Ein Traum ist für die maßlos enttäuschte Anke Sjuts damit geplatzt: "Es war mein großes Ziel, meine Leistungsstärke im Feldkampf quasi vor der eigenen Haustür auch in der Hauptklasse unter Beweis stellen zu dürfen." Aus und vorbei. Rückblick: Am 22. August begann für die Klootschießer aus Ostfriesland und Oldenburg die Jagd auf die EM-Tickets im Feldkampf. Da die Resonanz allerdings überraschend groß war, endete das Auftaktwerfen in Apen-Espern im Chaos (wir berichteten). Die Ausscheidung der Frauen ging mit Mühe über die Bühne; die letzten Werferinnen absolvierten ihre Versuche am späten Abend. Anke Sjuts ließ sich nicht beirren, erschien pünktlich zur Anmeldung um 17 Uhr und harrte bis zu ihrem späten Start gegen 19.30 Uhr aus. Die Devise, Werfen bei Aufruf, bekam der leistungsstarken Aktiven, die beim KBV "Noord" Norden in der Landesliga boßelt, gar nicht. Bei ihrem ersten ausgezeichneten Wurf von etwa 70 Metern nach satten zweieinhalb Stunden Wartezeit zog sie sich einen Bänderriss, eine Kapselverletzung und einen heftigen Bluterguss im linken Sprunggelenk zu. So konnte die Norderin nicht weiter werfen und an den nächsten beiden EM-Qualifikationen nicht teilnehmen. Den dritten Ausscheidungswettkampf verfolgte sie mit Gehhilfen. Dennoch: "Ich wurde von allen Seiten aufgemuntert. Ob Aktive oder Funktionäre, immer wieder hieß es, dass ich sicher noch berücksichtigt werde." Immerhin hat Anke Sjuts beachtliche Leistungen erzielt: Nach ihrem historischen Erfolg als erste Jugendeuropameisterin beim EM-Feldkampf in Meldorf bestätigte sie ihre Klasse auch im Frauenlager. Als Mehrkampfmeisterin, Landes- und Verbandsmeisterin im Standkampf und als Vize-Verbandsmeisterin mit der Hollandkugel wurden die glänzenden Leistungen der "Noord"-Werferin mit dem zweiten Platz bei den Norder Sportlerwahlen 2002 belohnt. Die Erfolgsserie kommt nicht von ungefähr, schließlich sind alle Mitglieder der Familie Sjuts begeisterte Friesensportler. Gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Maike bildet die trainingsfleißige Anke Sjuts ein überragendes Klootschießerinnen-Duo. Beide haben über 62 Meter geworfen. Mit 62,30 Metern hält Anke Sjuts mit knappem Vorspung den Frauen-Standkampfrekord im FKV-Gebiet. Da staunen sogar die in dieser Disziplin dominierenden Schleswig-Holsteinerinnen. Nach dem Aus in ihrer zweiten Paradedisziplin, dem Feldkampf, resigniert Anke Sjuts indes: "Ich war gerade in der Aufbauphase nach meiner Verletzung. Die Enttäuschung ist gewaltig groß. Im Moment ist auch der Standkampf kein Thema mehr für mich." Obwohl eine EM nur alle 16 Jahre vor der eigenen Haustür ausgetragen wird. Die Lage ist ärgerlich und verzwickt zugleich: Im Feldkampf kann der FKV auf Anke Sjuts wegen des großen Andrangs von Bewerberinnen verzichten. Im Standkampf wird sie angesichts dünner Leistungsdichte in der Spitze gebraucht. Doppelt tragisch: Die Hoffnung auf die EM-Feldkampf-Chance hat sich nicht erfüllt, obwohl Anke Sjuts Ende September mit der Anrede "Liebe Klootschießerinnen und Hollandkugelwerferinnen" zum Kadertraining eingeladen wurde und sich auch dadurch scheinbar sicher fühlte. Mitte November kam dann das Aus mit der Absage: "Um eine Gleichbehandlung zu gewährleisten, konnte man bei allem Wohlwollen deinem Wunsch auf Nachnominierung nicht entsprechen", heißt die Begründung. Die schmerzt nach eigener Aussage auch die FKV-Frauenwartin Johanne Claashen: "Ich hätte Anke gerne dabei gehabt." Aber: "Das wäre den anderen Bewerberinnen gegenüber ungerecht gewesen." Eine Nachnominierung sei bei einer Klootschießerin, die nicht mitgeworfen hat, den feststehenden Bedingungen folgend nicht möglich. Ausnahmen seien laut Ausschreibung nicht vorgesehen. So argumentiert auch der FKV-Vorsitzende Jardo Tapper: "Wir dürfen keinen Präzedenzfall schaffen. Vielleicht gab es auch andere Werfer, die wegen einer Verletzung nicht starten konnten." Es habe im FKV-Vorstand viele positive Stimmen für Anke Sjuts gegeben. "Wir haben uns mit dieser Entscheidung schwer getan. Aber nach langer Diskussion haben wir uns mehrheitlich gegen eine Nachnominierung entschlossen." Der Antrag des Butjadingers Dirk Schomaker wurde gleichermaßen abgelehnt. Er verletzte sich während einer EM-Ausscheidung mit der Hollandkugel ebenfalls. Vater und Trainer Edelhard Sjuts, der sich leidenschaftlich fürs Boßeln und Klootschießen einsetzt, versteht die Friesensport-Welt nicht mehr: "Eigentlich sollte der Nachwuchs doch gefördert werden. Hier wird einer aufstrebenden Sportlerin aber vors Schienbein getreten. Bei solchen Nackenschlägen ist es doch nicht verwunderlich, wenn niemand mehr starten möchte."
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