© / Quelle: Ostfriesische Nachrichten vom 29.03.2003

 

Boßeln: Schoet zu Grabe getragen
Protestaktionen der Boßler gegen FKV-Reformen laufen auf Hochtouren

 

Das Protest-T-Shirt mit dem Aufdruck "de Schoet mut blieben" findet reißenden Absatz bei den Akteuren. Foto: Banik

wrs Ostfriesland. Die neuen Boßelregeln entfachen zum Abschluss des Punktspielbetriebes hitzige Debatten. Unterschriftenlisten machen die Runde. Das T-Shirt mit der Aufschrift „de Schoet mut blieben“ findet großen Absatz. In Blomberg wurde der Schoet in einem schwarzen Sarg beerdigt.

Die Reform der Wettkampfbestimmungen wurde am 7. März auf der Jahreshauptversammlung des Friesischen Klootschießerverbandes in Wittmund beschlossen. Knapp 75 Prozent der Delegierten stimmte dafür, dass ab der Saison 2004/05 die Mannschaftsstärke reduziert und das in Ostfriesland gültige Rundenwerfen durch das Streckenwerfen ersetzt wird. Die Vertreter des Kreisverbandes Aurich stimmten geschlossen gegen die Reform.

Die Gegner der Änderungen sehen mit der Aufgabe des Schoets die große Tradition des ostfriesischen Boßelsports gefährdet. Stimmt nicht, sagt FKV-Chef Jardo Tapper. Andere führen praktische Erwägungen ins Feld. Die zahlreichen Wende- und Zielmarkierungen seien auf der Straße nicht darstellbar.

Die Proteste der Boßeler mündeten bisher in mehreren Aktionen. Auf der Meisterschaftsfeier Männer I von „Frei Weg“ Blomberg in der Bezirksliga wurde der Schoet symbolisch zu Grabe getragen. Die Mannschaft “Friesenstolz“ Victorbur beförderte einen schwarzen Sarg mit der Aufschrift „de Schoet 1902 bis 2004 !?“ in den Saal. „Wir wollten mit dieser Aktion gegen die neuen Regeln protestieren“, sagte der Victorburer Mannschaftsführer Ralf Geiken. Der starke Applaus hätte gezeigt, dass viele Boßler gegen die Änderungen seien.

Ihr Nein gegen den FKV-Beschluss dokumentieren immer mehr Boßler mit ihrer Unterschrift. Sie bekennen sich zum Schoet und Ausfallmodus. Die Reform soll rückgängig gemacht werden, fordern sie auf Unterschriftenlisten. Hartmut Raveling von „Liek ut Hand“ Langefeld hat in den vergangenen Tagen mehr als 700 Unterschriften eingesammelt. „Ich bin erstaunt über die große Resonanz. Viele sind enttäuscht über die Art und Weise, wie die Entscheidung beim FKV gefallen ist.“ Die Unterschriften stammen nicht nur von Akteuren aus dem Kreisverband Aurich. Boßler aus Esens, Norden und Friedeburg beteiligten sich.

Reißenden Absatz vermeldet Kerstin Friedrichs aus Dietrichsfeld für die weißen T-Shirts mit dem Aufdruck: „Ik bün gegen Streckensmieten.“ Erstmalig präsentierten sich die Dietrichsfelder Boßlerinnen auf der Meisterfeier von Ihlow Landesliga Frauen I mit den Protesttrikots. „Damit zeigen wir, was wir von den neuen Regeln halten. Gerade der Schoet macht unseren Boßelsport aus. Er muss bleiben.“