© / Quelle: Jeverland-Bote / bereitgestellt am 26.10.2002

Einheimische halten Boßeln für Straßenkegeln
Schwäbische Friesensport-Keimzelle hat Wurzeln in Friesland
Eine kleine Gruppe Schwaben hat bei einem Urlaub in Friesland den Boßel-Sport für sich entdeckt.

Hilfestellung bekamen sie dabei von Jeveranern.

Von Jörg Stutz

 

Nur das Allgäu in der Ferne und die fehlenden Gräben zeigen: Hier wird im Allgäu geboßelt.

Jever. Einer Gruppe tennisbegeisterter Friesländer ist es zu verdanken, dass seit einigen Jahren auch in Schwaben – wenn auch in kleinem Umfang – geboßelt wird. Dabei handelt es sich nicht etwa um „Buten-Friesländer“, die ins „Ländle“ ausgewandert sind; vielmehr ist das Dutzend Schwaben bei einem Italienurlaub vom Boßel-Virus infiziert worden.

„Vor rund zehn Jahren haben wir eine Gruppe Schwaben bei einem Tennisurlaub in Italien kennen gelernt“, erzählt der Jeveraner Klaus Depping. Bei einem der ersten Treffen in Friesland haben die Gastgeber für ihre Gäste aus Baden-Württemberg dann ein Boßelturnier ausgetragen. Das Ergebnis: Die Schwaben kauften sich sofort die notwendige Ausrüstung für den Friesensport, wobei sie „auf die Pockholzkugel schwören“, so Depping. Auf einen Söker können die Schwaben bei ihren Turnieren in ihrer Heimat, dem Ort Kirchdorf zwischen Memmingen und Biberach, jedoch verzichten. Den Grund nennt Klaus Depping: „Dort ist es fast so flach wie bei uns, aber es gibt seitlich der Straßen kaum Gräben.“ Nach einigen Anfangsschwierigkeiten findet im November der mittlerweile 3. Schwäbische Boßelcup statt. Dabei treten die Gruppen „Fleu herut“ und „He löppt“ gegeneinander an (In der Einladung werden die Gruppennamen zur besseren Verständlichkeit ins Hochdeutsche übersetzt). Wie ein Vereinsboßelturnier abläuft, konnten die Schwaben in Friesland beobachten. „Mit allem Drum und Dran, mit Zuschauern und der Schreierei beim Werfen“, so Depping. „Und das Schreien haben die mittlerweile auch gut drauf.“ Geboßelt wird – ganz anders als in Friesland – auf den Nebenstraßen. „Für ein Turnier auf Hauptstraßen würde die Truppe wahrscheinlich gar keine Genehmigung kriegen“, vermutet Depping. Außerdem, so der Jeveraner weiter, erregen die Schwaben auf den Nebenstrecken mit dem Boßeln ohnehin schon für reichlich Aufsehen bei den Zuschauern. „Viele Einheimische glauben, das Ganze sei so eine Art von Straßenkegeln.“