Schleuderball - Amerikaner beim Landesligaspiel am 07.06.2002

 

"Stars and Stripes" in Diekmannshausen

 Besuch aus Amerika zum Landesligaspiel TV Schweiburg - SBV Zetel

von Gerold Meischen

 

Diekmannshausen.  Am siebten Spieltag der Schleuderball-Landesliga (07.06.2002) erwarten die Aktiven bemerkenswerte Besucher aus Amerika. Scott Seeger (Kansas) reist mit drei Kollegen zum Spiel an. Doch mit dem Zuschauen allein wollen sie sich nicht zufrieden geben; sie wollen selbst den Schleuderball in die Hand nehmen und sich einem freundschaftlichen Wettstreit stellen.

 

Den weiten Weg von Kansas nach Diekmannshausen haben die vier Freunde aber nicht mehr vor sich. Scott Seeger weilt zur Zeit in Eutin (Schleswig-Holstein) und nimmt an einem Sommer-Semester der "University of Kansas; Department of Germanic Languages and Literatures" teil. Der Kontakt zu Scott Seeger kam über die Homepage des Klootschießerlandesverbandes Oldenburg e.V. zustande. Scott Seeger schrieb: "... Ich habe 1993-94 an der Uni Oldenburg studiert und habe dort ein Seminar über Regionale Sportarten belegt. Wir haben Klootschiessen, Bosseln, Pattstockspringen und Schleuderball gelernt. Ich war ganz begeistert vom Schleuderball und habe versucht, ihn in Amerika einzuführen, was mir auch während meines Magisterprogramms in Colorado gelungen ist. Wir hatten damals (1995-97) eine Mannschaft von ca. 10 Spielern und daraus entwickelte sich eine Art "US Rules Schleuderball", da wir nicht immer genug Spieler hatten, um 6 gegen 6 aufzutreten. Jetzt promoviere ich an der Uni. Kansas und habe wieder einen kleinen Verein von ca. 12 Spielern gegründet. Wir sind alle sehr begeistert vom Schleuderball und spielen fast jedes Wochenende für mehrere Stunden. Ich bin diesen Sommer der Assistentdirektor eines Sommer Sprachinstituts in Eutin, und 3 von den Spielern kommen mit. Wir wären sehr daran interessiert, mal ein richtiges Schleuderballspiel zu sehen und uns vielleicht ein paar für uns neue Techniken abzukieken, und wenn möglich, ein kleines Freundschaftspiels zu veranstalten. ..."

 

Für den Besuch der Amerikaner haben die Verantwortlichen ein Rahmenprogramm erstellt. Als Vorprogramm findet am 07.06.2002 ab 19:00 ein E-Jugend-Schleuderballspiel statt. Ab 19:45 wird das reguläre Landesliga-Punktspiel TV Schweiburg gegen SBV Zetel durchgeführt. Im Anschluß daran spielen ein Mix aus den beiden Landesligateams und den vier amerikanischen Schleuderballern ein Freundschaftsspiel aus und beenden den Abend mit einem gemütlichen Beisammensein in Diekmannshausen. Für den 09. Juni 2002 ist ein Besuch der Landesmeisterschaften im Straßenboßeln in Halsbek vorgesehen.

 

Besonderer Dank gilt den teilnehmenden Vereinen für ihre Mitarbeit sowie Ulrich Rach für die organisatorische Unterstützung.

 

Ein Ami snackt plattdüütsch

"Hey", sagt er bei der ersten Begrüßung, "wie geht's", und sein Akzent ist unüberhörbar. Ganz klar: Scott Seeger stammt aus den USA. Nichts unterscheidet den Studenten von einem Durchschnittsami: schwarze Haare, Bart, Brille, kleiner Bauchansatz, T-Shirt und Jeans. Und doch überrascht der 32-Jährige, der seit Oktober für zwei Semester an der Kieler Uni Germanistik studiert, sein Gegenüber immer wieder. Nicht nur, dass er sehr gut Deutsch spricht, "he kann och plattdüütsch snacken". Noch nicht so gut, aber um das zu lernen, ist er nach Kiel gekommen.

"Plattdeutsch zu sprechen, ist gar nicht so einfach", erzählt der an der Kansas University (KU) in Lawrence studierende Doktorand. "Viele Wörter spreche ich immer noch englisch aus, da es viele Ähnlichkeiten gibt." Der Austauschstudent aus den USA ist nicht der Einzige, dem die fremde Sprache schwer fällt, in seinem Kursus mühen sich neben ihm und den anderen acht Teilnehmern auch noch ein Koreaner und zwei Studenten aus der Ukraine ab. "Aber ich werde meine Kurse bestimmt bestehen", sagt er nicht nur im Hinblick auf sein Stipendium.

Noch einiges mehr steht für den zielsicherwirkenden Mann auf dem Spiel: "In spätestens zwei Jahren will ich in Lawrence meine Doktorarbeit über deutsche Sprachinseln in Amerika schreiben", hat er sich vorgenommen. "Die sind durch deutsche Einwanderer Anfang des Jahrhunderts entstanden, die damals eben Platt gesprochen haben. Und um Schriftstücke und Urkunden wenigstens lesen und verstehen zu können, muss ich die Sprache können. Außerdem macht es Spaß", ergänzt der Amerikaner mit den deutschen und japanischen Vorfahren mit einem Augenzwinkern.

Den bayerischen Urgroßeltern verdankt Seeger das Interesse an der Sprache: "Mein Vater konnte noch deutsch fluchen, das hat mich natürlich fasziniert." Ein Germanistik- und Literatur-Studium in Colorado und Kansas sowie mehrere längere Aufenthalte in Deutschland (u.a. Hamburg, Berlin und Oldenburg) folgten. Doch sein Interesse gilt nicht nur den Sprachen, der zukünftige Deutsch-Professor frönt in Kiel auch einer anderen Leidenschaft: die Geschichten um Klaus Störtebecker. "Ich finde es spannend, wie sich im Laufe der Jahrhunderte die Legende wandelte und aus einem Piraten ein norddeutscher Robin Hood, ein Held, wurde", sagt der warmherzig wirkende Mann und beginnt auch gleich zu erzählen, vom Leben und Tod des Piraten.

Diese Begeisterung war der Grund, das Thema Störtebecker zu einem Studien-Projekt in Kiel zu machen. "Mit Lesen verbringe ich meine Freizeit", sagt er. Neben den Forschungen zu Störtebecker arbeitet er gerade die Bücher einer mehrseitigen Liste ab, die er für sein Examen in den USA gelesen haben muss. "Dürrenmatt finde ich spannend. Günther Grass, dessen Werke ich zurzeit lese, ist dagegen sehr schwierig."

 

Jennifer Ruske

Kieler Nachrichten vom 22.12.2000