|
Jubiläumsmaster vom 11.05.2002
100 Jahre FKV – Jubiläumsmasters mit der Eisenkugel Angela Koskowski und Eckhard Kerl im Siegesrausch von Ute Draschba
Das Werfen der Elite aus acht Verbänden (Irland, Niederlande, Italien, Schweiz, Spanien, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, FKV) war an Dramatik kaum zu überbieten. Der Wettkampfmodus wurde nach irischem Vorbild im K.O.-System und einem Zielwerfen ausgetragen. Nach der Qualifikation (7 Wurf) der besten Werfer (16 Männer / 8 Frauen) wurde die „finishline“ für die Finalrunden bei 1000 Meter (Männer) bzw. 800 Meter (Frauen) festgelegt. Männer In der Vorrunde (Streckenwerfen mit 7 Wurf) qualifizierten sich mit Jörg Gronewold (1.660 Meter/1. Platz), Karsten Biermann (1444 Meter/3. Platz), Wilfried Müller (1.355 Meter/8. Platz), Hans-Georg Bohlken (1.310 Meter/11. Platz) und zu guter letzt Eckhard Kerl (1.216 Meter/15. Platz) alle FKV-Vertreter unter den 16 besten Werfern und durften damit im Achtelfinale starten. Jörg Gronewold, der so aussichtsreich die Qualifikation bestritt, blieb im Match gegen den Iren David Murphy weit hinter seinen Möglichkeiten. Mit 6 Wurf hatte er die 1000-Meter-Zielline immer noch nicht erreicht. Das war das Aus. Bitter kam es auch für Karsten Biermann. Der Westeraccumer wurde trotz seiner Schnittwürfen von 200 Metern von dem Niederländer Harold Dollemann rausgekickt. Wilfried Müller traute seinen Augen nicht, wie so viele die staunend die Würfe von Vinicio Barattini erlebten. 26 Meter brachten die Entscheidung. Doch damit nicht genug. Der Italiener machte im Viertelfinale auch Hans-Georg Bohlken das Leben schwer. Bohlken patzte zum Schluß mit einem 80-Meter Wurf. Das italienische Fahnenmeer verkündete das Ergebnis. 3-Meter-Sieg für Vinicio Barattini. Jetzt kam die Stunde von Eckhardt Kerl. Sein Halbfinalgegner: Vinicio Barattini. Jener, der zuvor Bohlken und Müller trotzte. „Doch Bange machen zählt nicht“, sagte sich Eckhardt Kerl. Nervenstark entschied Kerl das Match mit knappen 80 Meter für sich. Gleichzeitig lief das Niederländische Duell Harold Dollemann gegen Michel Gronefeld. Beide (Dollemann 5 Wurf 15 Meter/Gronefeld 5 Wurf 67 Meter) topten das Ergebnis von Eckhardt Kerl (5 Wurf 10 Meter). Doch das K.O. System gab die Finalisten Eckhardt Kerl und Michel Gronefeld vor. Bis dato sprach vieles für einen Sieg des Niederländers. Konstant hatte er jede Finalrunde mit 5 Wurf für sich entschieden. Eckhard Kerl dagegen rutschte so gerade eben ins Achtelfinale und mogelte sich mit 6 Wurf 77 Meter ins Halbfinale. Doch der Ostfriese ist eine sichere Bank. Und sein Selbstvertrauen von Runde zu Runde wuchs. Am Ende drehte Eckhard Kerl voll auf. Sein Zielwurf sagenhafte 350 Meter. Sensationell. Mit 5 Wurf 184 Meter und einem 204-Meter-Vorsprung ein wahrer Champion. Frauen Überraschend schickte Nordrhein-Westfalen keine Werferinnen ins Rennen. Doch für die drei FKV-Vertreterinnen sollte die Vorrunde sowieso kein Thema sein. Dann die Ernüchterung. Monika Brabander verpasste bei ihrem ersten internationalen Einsatz mit 16 Metern knapp den achten Platz. Die Enttäuschung bei der Marxerin war groß. In der Championstour hatte sie über vier Werfen deutlich zu verstehen gegeben, dass sie auf dieser Strecke heiße Favoritin ist. Jetzt kam es anders. Youngstar Simone Davids ging aus der Vorrunde mit 1080 Metern als Nummer eins heraus. Top. Ihre Gegnerin im Viertelfinale: die Schleswig Holsteinerin Maren Witt. Aufatmen. Nicht wieder eine von den starken Irinen. Das sollte zu schaffen sein. Doch plötzlich mit dem dritten Wurf der Einbruch. Völlig von der Rolle verpatzt die Norderin gleich zwei Würfe, so dass sie die Ziellinie erst mit 7 Wurf erreicht. Jetzt war es an Angela Koskowski, die FKV-Farben hoch zu halten. Souverän setzte sich die 45jährige gegen Gretta Cormican, der ersten Europameisterin überhaupt in dieser Disziplin, im Viertelfinale durch. Geschafft. Das Halbfinale ist sicher. Maren Witt heißt die Gegnerin. Die legt mit dem ersten Wurf gleich gut los. Doch Angela hält gegen. Die Kugel schiebt sich hoch bis an die Grasnarbe. Wurf für Wurf sitzt. Gerade mal 5 Wurf und Angelas Kugel überquert die Ziellinie. Sieg. Und eins ist klar: Besser geht nicht. Oder doch? Das Finale steht noch aus, und zwar gegen Sandra Booyink aus den Niederlanden. Am Start die „Ruhe vor dem Sturm“. Die Trägerin des „Gelben Trikots“ ist wie ein Fels in der Brandung. Die Betreuer, ihr Mann und ihr Sohn, nervös. Die Harke mit den verbogenen Zinken ist dabei. Erst bei der vorletzten Championstour gab es eine „Macke“ dazu. Angela ging damals leer aus. Im nächsten Werfen überflügelte sie alles mit neuem Streckenrekord von annähernd 1800 Metern bei 10 Wurf. Die Goldgewinnerin 1996 in Irland hat es drauf und das bekam Sandra Booyink dann auch zu sehen. Wieder brauchte Angela nur fünf Wurf und warf einen Vorsprung von 134 Meter heraus. Verdient Gold („Im Wert von 20.000 Euro oder etwas weniger“, so Moderator Freddy). © / Quelle: Anzeiger für Harlingerland vom 13.05.2002
Nach Pleite in Burhave doch noch Jubel Boßeln, Jubiläumsmasters: FKV-Akteure Eckhard Kerl und Angela Koskowski gewinnen gegen internationale Elite von Jan-Keno Janssen
In der Vorrunde des Jubiläumsmasters anlässlich der 100-Jahr-Feier des Friesischen Klootschießerverbands (FKV) war es der Italiener Francesco Boiani, der (vor vier FKV-Athleten!) die zweitbeste Weite erzielte, nur FKVer Jörg Gronewold konnte Boiani toppen. Am Ende der neunstündigen Veranstaltung fiel den Friesen und Ostfriesen dann ein Stein vom Herzen: Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen siegten im Finale FKV-Akteure - man hatte nach der Pleite im Klootschießen in Burhave (wir berichteten) schon befürchtet, ganz leer auszugehen. Angela Koskowski, die 45-jährige "Noord"-Norden-Boßelerin, demonstrierte den rund 2000 Zuschauern auf dem Negenmeerter Linienweg, wie ein lupenreiner Durchmarsch auszusehen hat - und das gegen weitaus jüngere Athletinnen. Das Finale beendete die Europameisterin von Cork (Irland) im Jahr 1992 mit 134 Metern Vorsprung gegen die Niederländerin Sandra Booyink. Und auch der Pfalzdorfer Eckhard Kerl zeigte der internationalen Elite in der Endrunde, wo der Hammer hängt. Nachdem Karsten Biermann, Jörg Gronewold und Wilfried Müller im Achtelfinale ausgeschieden waren, lasteten die FKV-Hoffnungen alleine auf den Schultern von Kerl und Hans-Georg Bohlken. Letzterer musste sich im Viertelfinale verabschieden, aber Eckhard Kerl war in Höchstform: Zuerst bezwang er den Italiener Vinicio Barattini mit 98 Metern Vorsprung, danach im großen Finale den Niederländer Michel Groneveld mit sage und schreibe 305 Metern. Doch nicht nur die sportlichen Leistungen des FKV konnten sich sehen lassen: Auch die Organisation des Mammut-Wettkampfes war einfach professionell. Es gab keine Parkplatzprobleme, die Anfahrtswege waren gut ausgeschildert und auch die Technik funktionierte perfekt: Den (wieder bestens aufgelegten) Kommentator Freddy Mensing konnte man überall auf der einen Kilometer langen Wettkampfstrecke gut hören. Der FKV-Vorstand, der FKV-Kreisverband Esens sowie der KBV Negenmeerten - alle haben Hand in Hand vorbereitet und organisiert, mit Erfolg. Und die Stimmung, die war auch bestens. Schade eigentlich nur, dass die Wettkampfstrecke am frühen Nachmittag voll von Zuschauern war - während beim Höhepunkt, dem Finale, weit weniger Interessierte die Straße säumten. Woran das lag? Wohl einfach daran, dass der Wettkampf zu lange dauerte. Und nicht zu vergessen: Es regierte am Abend König Fußball, das DFB-Pokalfinale forderte seinen Tribut.
|