Mannschafts-Stärken-Reduzierung:

"Jeder Verein muss die Chance haben, in der der Landesliga zu werfen"

Weihnachtsfeiertage und Jahreswechsel geben immer mal wieder die Chance, Liegengebliebenes wieder hervorzukramen und zu betrachten. So erinnerte ich mich dieser Tage daran, vor einigen Wochen aus dem Nord-Westen unseres beschaulichen Friesensportlandes vom Begehren gehört zu haben, die Mannschaftsstärke in Männer I von vier Gruppen á vier Werfer (= 16 Werfer) auf zwei Gruppen á fünf Werfer (= 10 Werfer) zu reduzieren. Man sei schon kurz vor Antragstellung an den Landesverband und sichte schon die Riege der Gleichgesinnten, damit der Antrag auch gehörig Nachdruck erhalte mit besten Chancen auf Durchsetzung.

Grundtenor der Dranges nach Änderung: "Ziel der Reduzierung soll es sein, dass alle Vereine wieder in der Lage sind aus dem Kreisspielbetrieb heraus in die höchste Spielklasse Ostfrieslands aufzusteigen. Die Wettkämpfe würden dadurch wieder wesentlich interessanter werden"

Vom Tisch augenscheinlich die Argumente vergangener Tage, will sagen: von vor zwei Jahren, als man uns aus eben jener Region die Dämonen des demografischen Wandels vor Augen führen wollte. Als die Appelle herumgereicht wurden, man müsse der Jugend mehr Platz lassen. Besser noch: Man müsse sich (mehr) um Jugend kümmern. All die schönen Argumente rund um Jugend wurden benutzt, um den Kreisspielbetrieb wieder vollständig in Eigenregie zu nehmen, ihn zu stärken, ihn interessanter zu gestalten. Unterm Strich wurde den Kreisen die beantragte Selbstverwaltung des Spielbetriebes gegeben - und gerade einmal zwei Jahre später folgt schon die Bankrotterklärung aus eben jener Nord-West-Region?

Diesmal jedoch spielt die Jugend indes gar keine Rolle mehr. Jetzt geht es nur noch um die Befriedigung des Wunsches, allen Vereinen den theoretischen Zugang zur höchsten Spielklasse zu ermöglichen.

Wehret den Anfängen

Auch nach einer Mannschaftsstärkenreduzierung werfen nur zehn Vereine in der höchsten Spielklasse "Landesliga". Warum sich durch die gewünschte Reduzierung der Mannschaftsstärke die Kraftverhältnisse innerhalb aller Vereine verschieben sollen, will sich mir einfach nicht erschließen. Das hätte dann doch auch schon bei der Reduzierung von 20 auf 16 Werfer eintreten müssen - blieb aber nachweislich aus, denn heute spielen in den höchsten Ligen nahezu die Vereine, die auch schon 2003 in 20er-Stärke an vorderster Stelle standen.

Dafür nimmt man nun aber gerne in Kauf, Heranwachsenden den Einstieg in Erstmannschaften noch weiter zu erschweren, wenn nicht gar unmöglich zu machen. Je kleiner die Mannschaftsstärke desto größer das Bestreben, sicheren Werfern stets den Vorzug vor lernenden Jungkämpen zu geben. Gerade Heranwachsenden muss die Chance auf eine Lernphase gegeben werden - dafür dürfte allerdings in Erstmannschaften wegen Erfolgsdruck kaum noch Platz sein und die Jugendlichen fallen hinten runter. Hier wird für das Streben nach kurzfristigem Erfolg langfristig ausgerichtetes Handeln für den Fortbestand des Friesensports aufgegeben.

Oder will man dem schnöden Mammon den Weg in den Friesensport ebnen, Erfolge im Friesensport bezahlbar machen?

Egal, welche fadenscheinigen und nicht bis zum Ende gedachten Visionen diesmal den Weg einem weiteren Einschnitt ebnen sollen:  Die Reduzierung von 20 auf 16 Werfer hat den sportlichen Wert nicht verändert, wohl aber unter dem Strich aktive Werfer gekostet. Eine weitere Reduzierung von 16 auf 10 sorgt für einen weiteren Einschnitt - der dem sportlichen Wert nicht helfen kann und auch nicht sportliche Erfolge umverteilen wird, aber weitere Substanz kostet.

Statt immer wieder den Versuch zu unternehmen, die herrschenden Bedingungen und Regeln den vermeintlich schwächsten Vereinen anzupassen oder gar den untätigsten Vereinen noch mittels Regelerleichterung Hilfestellung zu noch mehr Untätigkeit zu geben, sollten für derartige Fälle bessere Alternativen in Betracht gezogen werden:  Fusion und Liquidation hin zu vernünftigen Vereinsgrößen.

Denkt mal drüber nach ...

 

Zu diesem Thema wurde auf der Facebook-Seite "friesensport.de - Boßeln u. Klootschießen"  (Link:  http://www.facebook.com/pages/friesensportde-Bosseln-u-Klootschiessen/157318014301089) eine Diskussion eröffnet.

 

 

Januar 2011

 

© 2007 Gerold Meischen

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